Corona, Schule und zu Hause - Berichte aus der Schulgemeinschaft


Schule zu Hause – wie geht das eigentlich? Vor einiger Zeit hätte diese Frage ein kreativer Schreibanlass sein können.

Wir hätten uns vermutlich gar nicht vorstellen können, plötzlich selbst in dieser Situation zu sein. Kontaktbeschränkungen, keine Schule und Arbeiten von zu Hause; (wenn man Glück gehabt hat und noch arbeiten kann). Ausgesucht haben wir uns das alles nicht! Corona – ein Name der seit einiger Zeit nicht mehr wegzudenken ist und vorher noch so unbekannt war. Aber wie geht das: Corona und Schule?

Dieser Frage haben sich einige Familien auch bei uns an der Grundschule Arnkielstraße gestellt und auf heimischen Sofas, an noch nicht abgedeckten Küchentischen oder aber auch auf dem frisch bepflanzten Balkon nach Antworten gesucht. Vielleicht war es auch nicht immer möglich eine Antwort zu finden, aber wichtig war die Feststellung „Wir schaffen das, uns allen geht das so“ und vielleicht verbirgt sich hinter der ein oder anderen Antwort auch ein Hoffnungsschimmer oder eine Idee, die weiterhilft, die unterstützt und zu neuer Energie verhilft. Weil: die brauchen wir alle! Ob Kinder, ob Eltern, Lehrer, Erzieher oder Schulleitung.

„Nachdem wir doch ganz schön Vieles ausprobiert haben, mussten wir feststellen, dass unser Alltag strukturiert um einiges besser läuft, als ungeplant oder flexibel. Aber Corona sei Dank fängt der Tag doch etwas später an, als zu Schulzeiten gewohnt. Auch die Kleidung sieht häufig bis mittags irgendwie anders und wesentlich gemütlicher aus, als sie das noch bis vor 8 Wochen getan hat. Das kann man schon mal genießen. Doch dann kommen da die Hausaufgaben, das Arbeiten und das alleine Spielen mit der kleinen Schwester. Es hilft ja alles nichts und dann geht es nach dem Frühstück gleich ran an die Aufgaben – oder das Müsli wird neben, pardon, Mathe, Deutsch, Sachkunde oder Englisch verspeist.“

Und tatsächlich wurde immer wieder berichtet, dass das Finden einer Struktur oder das gemeinsame Planen beim Frühstück die erste Erleichterung im gemeinsamen „Schulleben“ zu Hause war. Wobei hier auch Themen selbst ausgesucht werden können, Pausen gemacht und ein „Snack“ zwischendurch nicht fehlen darf.

„Das wird alles vormittags erledigt. Somit ist der Nachmittag frei für die eigene Gestaltung von Spiel und Spaß.“

Aber nicht immer ist Schule die Hauptakteurin des Tages, da Existenzen gesichert und geschäftliche Termine eingehalten werden müssen, um die dann herum geplant wird:

„Neben Homeoffice, Haushalt, Einkauf etc. sind die Schulzeiten deshalb nicht fest strukturiert, sondern werden meinen Arbeitszeiten angepasst. Zum frühen Abend, wenn es nicht mehr so voll ist, gehen wir aber immer raus und machen Sport, erkunden Parks und machen Radtouren in den Abendstunden.“ – einen Ausgleich finden zu den Strapazen des Tages.

„Gut wenn es da zwischen den „Lerneinheiten“ Pausen gibt, in denen man voll ins Spiel einsteigen kann oder sich auch einmal austoben kann. Nach dem Mittagessen geht es erst einmal mehr oder weniger so weiter wie am Vormittag. Die Zwischenfragen werden häufiger, die Ablenkungsmanöver auch... bis dann der Schul(Alltag) am Nachmittag mal früher, mal aber auch später beendet ist und gespielt wird. Schön ist, wenn ein paar bekannte Gesichter zu einem Gespräch am Fenster anhalten. Nach Möglichkeit versuchen wir das Wochenende, es klappt nicht immer, frei von Aufgaben zu halten. Dann geht es raus. Oder es ist auch einmal schön, einfach so in den Tag zu leben.“

Aber wie organisiert man sich die ganze Arbeit? Eine neue Woche ist um, und wieder kommt ein Berg von neuen Aufgaben aus dem Homeoffice der Lehrer. Das ist bestimmt nicht immer leicht.

„Am Montag kann mit den Aufgaben angefangen werden, auf die man erst einmal Lust hat. Danach kommen aber auch die eher etwas „unbeliebteren“ Aufgaben verteilt über die Tage immer wieder dran. So dass ein Großteil einfach schon in den ersten 2-3 Tagen geschafft ist, um Land sehen zu können. Dank des Padlets - einer Art Internetseite, die wir in der Klasse haben - bleibt die Übersicht bei den zu bearbeitenden Aufgaben super! Allerdings schwankt die Wochenform und -leistung enorm. In der einen Woche denkt man noch, mensch, das klappt ja super. Und jetzt macht es auch noch Spaß. Und in der nächsten Woche ist die Luft irgendwie raus und die Tage werden zäh! Auch die Frustrationsgrenze ist dann mal besser, aber auch schon mal minus 1. Wir haben am Anfang sehr daran arbeiten müssen, wie denn überhaupt selbständiges Lernen und Arbeiten so funktionieren kann. Da war teilweise wahrscheinlich auch viel Überforderung am Start, gleich Verlangen zu wollen, dass das Kind alleine den Umfang der gesamten Aufgaben überblickt, die Aufgabenstellungen der Reihe nach abarbeitet und auch noch am besten kaum Fragen stellt. Das hat auf allen Seiten zu einem großen Frust geführt. Es ist schon eine tolle Leistung, sich wirklich eine Dreiviertelstunde mit den Dingen selbst zu beschäftigen, zu knobeln“ und sich nicht ablenken zu lassen.

„Das Ablenken war schwierig, doch als jeder in der Familie seine Aufgabe hatte, wurde es besser und man hat angefangen mehr aufeinander Rücksicht zu nehmen.“

Und wenn es gar nicht mehr weiter geht?

„Eine Pause einlegen, Ratschläge bei Bekannten holen, die Aufgaben im Internet auf Lernplattformen probieren oder auch die Klassen-Pinnwand im Internet öffnen und dort die Hilfsangebote lesen.“

„Ich frage meinen Papa oder meine Mama,“ heißt es bei den einen, „Ich rufe meinen Lehrer an“ bei den Anderen.

„Wenn es einfach mal nicht weitergehen will, dann gibt es gerade die Möglichkeit, den Tag mit den Aufgaben an dieser Stelle „abzuhaken“ und auf einen anderen Tag zu vertagen. Die Flexibilität ist ja gerade da.“

„Bei uns werden die Freunde vermisst. Deshalb wird mehrmals in der Woche mit einigen Freundinnen per Facetime gechattet, und wenn wir nicht mehr weiter wissen, umarmen wir uns, gehen spontan raus und pfeifen auf alles. Oder wir kuscheln und gucken einen Film. Manchmal weinen wir auch, weil wir nicht wissen wie lange das alles dauert und wir keine zeitlichen Marathonläufer sind. Ich habe von meiner Tochter auch bereits einen Gutschein gegen Corona-Koller geschenkt bekommen.“

„Wichtig ist für uns trotz allem die Leichtigkeit nicht zu verlieren und sich bewußt zu machen, daß wir ein Dach über dem Kopf, warmes Wasser, leckeres Essen, Familie, Freunde und uns haben. Wir wurden von unserem Klassenlehrer immer großartig unterstützt, wenn es um Aufgaben-Fragen oder auch technische Probleme, und manchmal auch um ein bisschen gute Laune ging. Wir waren per Mail und telefonisch immer in Kontakt. Das wöchentliche Telefonat ist eine feste Konstante und auch ein bisschen Schulnormalität. Meine Tochter freut sich aber auch wieder auf die Schule und ihre Freunde und Lehrer!“

„Ein strukturiertes Padlet mit all den Informationen und Aufgaben auf einer übersichtlichen, ansprechenden, bunten, fröhlichen Seite hat immens geholfen! Auch die Informationen, dass die meisten Familien mit Problemen welcher Art auch immer kämpfen. Und somit der

Druck ein wenig genommen werden konnte, zu Hause das nicht leisten zu können, was die Lehrer in der Schule leisten.“

Die Vorteile des Homeschoolings werden vor allem in der Flexibilität, dem regelmäßigen Kontakt zu den Lehrer*innen, aber auch dem intensiveren Einblick in das was in der Schule geleistet werden muss, gesehen. – „Man kann auch mal einen Tag frei machen und dafür am Sonntag lernen, und wenn etwas doof ist und ich etwas nicht verstehe, kann ich immer meine Lehrer anrufen.“

„Zu Hause mehr mitzubekommen was die Kinder können ist ein gutes Gefühl. Die Kinder werden meines Erachtens viel selbständiger im Umgang mit den Aufgaben. Auch wenn es für die Lehrenden wahnsinnig viel Arbeit ist, stellt der regelmäßige telefonische Kontakt zwischen Kinder, Eltern und Lehrern eine kontinuierliche Transparenz über die Leistungen und das Befinden der Kinder dar.“

Die Zeit zu Hause bedeutet aber nicht nur viel Arbeit für alle Beteiligten, sondern auch viele Sachen zu vermissen, die sonst einfach so da waren: „Die Freunde, die Lehrer, das Ritual in der Schule“ – alles Dinge, die grade fehlen. „Ich finde auch, dass man sich in der Schule manchmal besser konzentrieren kann. Hier spielt keine Schwester im Hintergrund mit der man gerne mitspielen möchte.“ Und natürlich das wichtigste: „die Pausen in denen ich immer Fußball mit meinen Freunden spiele.“

Bei all den Auf und Abs sind sich bei einer Sache aber fast alle einig: das Ausschlafen und die intensive gemeinsame Zeit in der Familie, das wird fehlen, wenn es dann wieder losgehen wird mit der Schule.

Zusammengestellt von Robert Schröder im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit der Grundschule Arnkielstraße. Vielen Dank an Familie Anger, Benita, Frau Krämer, Lovis, Mila und Frau Säck für die Bereitschaft, das Zeitnehmen und die ehrlichen Antworten in dieser besonderen Situation.